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26. Okt. 2019
Manganknollen auf dem Meeresboden der Tiefsee.

Manganknollen auf dem Meeresboden der Tiefsee.

Es wird einen neuen Ernteversuch im Manganknollengebiet des Zentralpazifiks geben. Auf dem Jahrestreffen des internationalen Meeresforschungsprojektes "MiningImpact II" im portugiesischen Aveiro bestätigten das belgische Bergbautechnikunternehmen DEME-GSR und die Mitglieder des Forschungsprojektes, dass im Herbst 2020 geplant ist, sowohl das Tiefseebergbaufahrzeug Patania II auf einen Testtauchgang in das deutsche und das belgische Manganknollen-Lizenzgebiet zu schicken als auch die unabhängige wissenschaftlichen Begleitforschung dazu durchzuführen. Der erste Test des Tiefseemanganknollenernters war im Frühjahr diesen Jahres wegen technischer Probleme des Gerätes gescheitert.

"Wir werden unsere ohnehin geplante Explorationsfahrt neu ausrichten", verkündete Annemiek Vink, Geologin im Fachbereich Marine Rohstofferkundung der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), auf dem Treffen in Aveiro. Die Rohstofferkundungsfahrt der BGR wird dann zu weiten Teilen der Beobachtung und Probennahme während des ersten Tiefseebergbauversuchs auf Manganknollen gewidmet werden.

Der Manganknollenernter Patania II beim Konstrukteur.

Der Manganknollenernter Patania II beim Konstrukteur.

Bild: DEME-GSR
Das deutsche Forschungsschiff

Das deutsche Forschungsschiff "Sonne" wird für die Wiederholungsfahrt von "MiningImpact" nicht zur Verfügung stehen.

Bild: Geomar/Jan Steffen
Der deutsche Tiefseeroboter

Der deutsche Tiefseeroboter "ROV Kiel 6000" wird nicht bei der zweiten "MiningImpact"-Fahrt dabei sein.

Bild: Geomar/ROV-Team
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Der Manganknollenernter Patania II beim Konstrukteur.

Bild: DEME-GSR

Das deutsche Forschungsschiff "Sonne" wird für die Wiederholungsfahrt von "MiningImpact" nicht zur Verfügung stehen.

Bild: Geomar/Jan Steffen

Der deutsche Tiefseeroboter "ROV Kiel 6000" wird nicht bei der zweiten "MiningImpact"-Fahrt dabei sein.

Bild: Geomar/ROV-Team

"Das Finanzielle ist auch halbwegs geregelt, ich denke, das kriegen wir irgendwie hin", meinte "MiningImpact"-Koordinator Matthias Haeckel vom Geomar im Vorfeld der Konferenz. Auch von den Projektteilnehmern sind alle wieder mit an Bord ebenso wie offenbar die benötigten Geräte. "Es sieht relativ gut aus, dass wir nicht alle, aber wirklich den Großteil der Geräte wieder zusammenbekommen", so Haeckel.

Kommerzielles Schiff wird gechartert werden

Größtes Problem ist derzeit offenbar das Schiff, denn entsprechend große und vielseitig einsetzbare Fahrzeuge sind selten. "Das ist nicht ganz einfach, da gibt es unter den Forschungsschiffen nur zwei oder drei", so Haeckel. So wie es aussieht, steht keines davon zur Verfügung. Die deutsche "Sonne", mit der Haeckel und seine Kollegen in diesem Jahr unterwegs waren, ist im Herbst 2020 im Indischen Ozean und dort komplett verplant. Die ebenfalls von der Größe her in Frage kommende britische "James Cook" ist ebenfalls nicht vor Ort und stünde erst wieder 2021 zur Verfügung. Daher verhandelt man bei der BGR jetzt mit kommerziellen Betreibern. Diese bieten zwar keine Forschungsschiffe an, wohl aber Versorgungsfahrzeuge für die Öl- und Gasindustrie, die man für Forschungszwecke umrüsten könnte.

Tatsächlich scheint der Versorger "Maersk Launcher" der gleichnamigen dänischen Reederei verfügbar zu sein. Das Schiff hat Platz für vierzig Passagiere, doch da mindestens acht Plätze für die Mannschaft des Tauchroboters reserviert sind, werden am Ende nur rund 30 Wissenschaftler mitfahren können. Allerdings bietet das Schiff entsprechend leistungsfähige Kräne und Winden für die zahlreichen Geräte, die zum Einsatz kommen sollen, und auch viel Raum für Ausrüstung und Laborcontainer.

Der Nachteil: Die Wissenschaftler müssen ihre komplette Ausrüstung inklusive der Labore und selbst der geringsten Hilfsmittel mit an Bord bringen und die Container dafür gleich mit. Denn die meisten Arbeitsräume müssten auf den Ladedecks des Schiffes untergebracht werden. Entsprechende Kosten werden anfallen und zu den Charterkosten für das Schiff hinzukommen. "Doch zurzeit scheint das unsere einzige Option zu sein", so BGR-Geologin Annemiek Vink in Aveiro.

Expedition wird verkürzt

Starthafen wäre dann das kalifornische San Diego statt des mexikanischen Manzanillo, was bei Matthias Haeckel für hörbare Erleichterung sorgte. "16 Arbeitstage haben wir wegen des mexikanischen Zolls verloren, das brauche ich nicht noch einmal", so sein Stoßseufzer in Aveiro. Die Wiederholungsexpedition in den Manganknollengürtel des Zentralpazifiks wird wegen der gestiegenen Kosten offenbar wesentlich kürzer ausfallen als die Fahrt im Frühjahr: nur 30 statt damals 43 Arbeitstage sind vorgesehen. Und auch das damalige Programm wird nicht komplett abgearbeitet werden können.

"Wir werden uns wahrscheinlich auf ein paar Arbeiten wie die Beobachtung des Plume, direkte Untersuchungen für Mikrobiologie und in situ Messung beschränken", so Matthias Haeckel im Vorfeld der Konferenz in Aveiro, "und werden dann sozusagen das erste Assessment nicht direkt im Anschluss machen, aber mit ein paar Monaten Verzögerung vielleicht." Auch in Aveiro kamen entsprechenden Fragen auf und Haeckel musste seine Kollegen mit dem Hinweis auf eine vorgesehene weitere Fahrt in das Versuchsgebiet beruhigen. Sie ist für Anfang 2021 geplant und soll die längerfristigen Folgen des Meeresbergbaus untersuchen. Sicher ist diese dann dritte Fahrt allerdings noch nicht. "Wir haben sie beantragt und sollten Anfang kommenden Jahres dann hören, ob wir erfolgreich waren", so Haeckel.

Eines ist dagegen auf jeden Fall sicher. Durch die Havarie in diesem Frühjahr erhöht sich der Zeitdruck für die Teilnehmer des Wissenschaftsprojektes erheblich. "Manche von Ihnen werden ihre Daten erst spät in der Projektlaufzeit erhalten", wandte sich Koordinator Haeckel an die in Aveiro anwesenden Wissenschaftler, "aber wenigstens werden Sie die Daten bekommen." Ein Teil der Auswertung werden dennoch wohl erst nach Projektende abgeschlossen werden können.

Neue Winde wurde bestellt

Die Aufarbeitung der Kollektorfehlfunktion war nach Angaben von Francois Charlet von DEME-GSR umfassend. Beim Einsatz im Pazifik war das Kabel, das den Kollektor mit dem Trägerschiff verbindet, ihn mit Energie versorgt und als Datenleiter für die Kommunikation zwischen Oberfläche und Tiefsee fungiert, irreparabel beschädigt worden. DEME-GSR habe inzwischen eine neue Winde bestellt, mit der das nicht mehr passieren sollte, sagte Charlet in Aveiro. Anfang nächsten Jahres sind erste Praxistests vorgesehen. Dass sich darunter auch Tiefseetests befinden, konnte Charlet nicht bestätigen. "Das ist noch nicht entschieden", so seine Auskunft in Aveiro.

Einige Ergebnisse der Forschungen von der diesjährigen "Sonne"-Fahrt wurden in Aveiro auch vorgestellt. Zwar fehlte der eigentliche Forschungsgegenstand, doch die Wissenschaftler nutzten das geballte Instrumentarium an Bord der "Sonne", um den Hintergrund des Ernteversuchs so eingehend wie möglich zu ermitteln. Diese Hintergrundinformationen werden hervorragende Maßstäbe für die Messungen während des Ernteversuchs und danach liefern. Das Forschungsschiff hatte sogar anstelle des Knollenernters eine Dredge mehrfach über den Meeresboden gezogen und so eine verkleinerte Version der Sedimentwolke erzeugt, die von "Patania II" erwartet wird.

Außerdem hat der Tiefseetauchroboter "ROV Kiel 6000" vom Kieler Helmholtzzentrum Geomar erfolgreich ein Multibeamsonar zur Aufzeichnung der Sedimentwolke getestet. Das Instrument wird normalerweise horizontal zur Vermessung des Meeresbodens verwendet, mit dem ROV konnte man das Echolot in der Vertikalen einsetzen und erzielte vielversprechende Ergebnisse. Außerdem haben Wissenschaftler vom Bremer Zentrum für Marine Umweltwissenschaften Marum während des Aufenthalts in der Manganknollenzone den Durchzug eines großen Wasserwirbel aufzeichnen können. Diese Wirbel dürften erhebliche Auswirkungen auf das Verdriften der Sedimentwolken haben, die die Manganknollenernter erzeugen.