08. Dez. 2017

Die Marius Hügel auf dem nordwestlichen Quadranten der sichtbaren Mondseite mit gut sichtbaren Kratern und vermutlichen Resten einstiger Lavaflüsse.

Der Mond ist mangels Atmosphäre ein extrem unwirtlicher Ort. Neil Armstrong und Buzz Aldrin waren nur drei Tage auf seiner Oberfläche und hatten deshalb kaum Probleme. Doch ihre Nachfolger, die zukünftig auf dem Erdtrabanten arbeiten sollen, brauchen vor allem effektiven Schutz gegen die harsche Umgebung. In den "Geophysical Research Letters" zeigen japanische und amerikanische Wissenschaftler jetzt mögliche Plätze, an denen eine Basis unter der Mondoberfläche denkbar wäre.

Unter Präsident Donald Trump kehren die USA auf den Mond zurück. "Wir werden wieder Astronauten auf den Mond senden", sagte Vizepräsident Mike Pence auf der ersten Sitzung des wieder eingerichteten Nationalen Weltraumrates am 5. Oktober. "Sie sollen dort aber nicht nur Fußabdrücke und Flaggen hinterlassen", so Pence weiter, "sondern die Grundlagen legen, damit Amerikaner zum Mars und darüber hinaus gelangen können." Die Nachfolger von Neil Amstrong und Buzz Aldrin werden wesentlich länger dort verbringen als die beiden Pioniere, und deshalb wird für sie der Schutz vor der harschen Umwelt auf dem Erdtrabanten zentrale Bedeutung haben. Ungefilterte kosmische Strahlung, extreme Temperaturunterschiede und ein ungebremster Meteoritenregen sind dort üblich, weil eine Atmosphäre fehlt, die all das dämpft.

Damit die künftigen Mondfahrer nicht gewaltigen Ballast für den Schutz mitschleppen müssen, sind Planetologen daher auf der Suche nach geeigneten Orten auf dem Mond selbst, die als Abschirmung dienen können. Möglicherweise haben japanische und US-amerikanische Wissenschaftler jetzt solche Plätze gefunden. In den "Geophysical Research Letters" berichten die Planetologen, dass sie Hinweise auf Lava-Gänge oder -Dome gefunden haben, die groß genug seien, um mittlere Stadtzentren zu beherbergen. Sie befinden sich in den Marius-Hügeln, einer Ansammlung von vulkanischen Kuppen im Ozean der Stürme auf der Westseite der sichtbaren Mondhälfte. Die japanische Mondsonde Selene fand dort schon 2009 mit ihrem Radar-Instrument ein tiefes Loch, das seither Marius-Hügel-Oberlicht genannt wird. Die US-Sonde Lunar Reconnaissance Orbiter hatte die Stelle ein paar Jahre später noch einmal überflogen und hochaufgelöste Fotos geschossen.

Die Lavahöhle in den Marius-Hügeln auf dem Mond ist groß genug, um das Zentrum einer Großstadt, im Bild Philadelphia, zu beherbergen.

Die Lavahöhle in den Marius-Hügeln auf dem Mond ist groß genug, um das Zentrum einer Großstadt, im Bild Philadelphia, zu beherbergen.

Bild: Purdue University/Jay Melosh
Das Marius-Hügel-Oberlicht auf dem Mond könnte der Einstieg in eine gigantische Lavahöhle sein.

Das Marius-Hügel-Oberlicht auf dem Mond könnte der Einstieg in eine gigantische Lavahöhle sein.

Bild: Purdue University/Jay Melosh
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Die Lavahöhle in den Marius-Hügeln auf dem Mond ist groß genug, um das Zentrum einer Großstadt, im Bild Philadelphia, zu beherbergen.

Bild: Purdue University/Jay Melosh

Das Marius-Hügel-Oberlicht auf dem Mond könnte der Einstieg in eine gigantische Lavahöhle sein.

Bild: Purdue University/Jay Melosh

Die Wissenschaftler haben diese Bilder jetzt mit Schwerefeldmessungen der GRAIL-Mission verglichen, die 2011/12 den Mond umkreiste und eine genaue Schwerefeldkarte anfertigte. "Wir konnten so klarstellen, dass das Loch tatsächlich Teil eines größeren Systems war", so Jay Melosh, Mitglied der GRAIL-Mission und Planetologie-Professor an der Universität in Indiana. Danach dürfte das Oberlicht den Zugang zu einem gewaltigen Lava-Gang unter der Mondoberfläche sein. Seine Länge schätzen die Forscher aufgrund der Masseanomalie an der Stelle auf mehrere Kilometer, seine Breite und Höhe auf gut einen Kilometer.

Die Marius Hügel sind nicht die einzigen Stellen auf dem Mond, an denen irdische Wissenschaftler glauben Lavagänge identifiziert zu haben. Indische Planetologen berichteten 2011 von Gängen in der Nähe der Galileischen Rillen im Ozean der Stürme. Auch im Meer der Begabung auf der erdabgewandten Mondseite soll es Lavagänge geben. Rillen wie Gänge sind Spuren eines früheren Mondvulkanismus, bei dem die Lavaströme weiterflossen, nachdem sie an der Oberfläche schon erstarrt waren. Als schließlich auch der Rest des Stroms erkaltete, bildeten sich die riesigen Hohlräume. Bei den Rillen ist ihr Dach eingestürzt, doch offenbar gibt es noch zahlreiche intakte Gänge.

"Wir können sie nicht nur für die Einrichtung von Basen nutzen, sondern auch für die Grundlagenforschung", kommentiert Junichi Haruyama von der japanischen Raumfahrtagentur JAXA. Der Boden der Lavagänge ist schließlich seit ihrer Entstehung vor der aggressiven Umwelt geschützt und könnte daher Proben ursprünglichen Mondgesteins liefern, oder Informationen über Mondbeben. Wann eine Raummission zum Mond aufbricht, um dort eine Basis zu errichten, ist derzeit absolut unsicher. Neben den USA denken auch China und Europa an eine Dependance auf dem Erdtrabanten, möglicherweise sogar in Kooperation.