07. Aug. 2019
Gilf Kebir in der ägyptischen Wüste

Gilf Kebir in der ägyptischen Wüste.

Sand ist nach Wasser der am zweithäufigsten benötigte Rohstoff. Seit der weltweite Bauboom begann, häufen sich die Meldungen, dass Sand knapp werde und in einigen Regionen der Welt sogar Sanddiebe in Aktion ihr Unwesen trieben. Fakt ist, dass gerade die Wüstenstaaten am Golf Bausand im großen Maßstab aus Australien importieren. Rohstoffgeologen der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover haben jetzt entdeckt, warum Wüstensand tatsächlich nicht brauchbar ist.

Die Baubranche boomt seit Jahren und doch ruhen mancherorts in Deutschland selbst in der besten Bausaison die Arbeiten. Der Grund: Es fehlt Sand, ohne den kein Beton gemischt werden kann. "Die Probleme sind, wie wir hören, weil die Kieswerke maximal produzieren und gleichzeitig neue Flächen nicht mehr zur Verfügung stehen, um die Produktion zu erweitern", berichtet Harald Elsner, Geologe bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, der sich unter anderem um die deutschen Vorkommen an Sand und Kies kümmert.

Spielsand bei ca. 200facher Vergrößerung im Dunkelfeld. Ausschnitt ca: 700µm x 700µm

Spielsand bei ca. 200facher Vergrößerung im Dunkelfeld. Ausschnitt ca: 700µm x 700µm

Bild: Wikimedia Commons/Jan Homann (CC0)
Blick auf die Syrische Wüste mit Beduinen im Vordergrund.

Blick auf die Syrische Wüste mit Beduinen im Vordergrund.

Bild: Wikimedia Commons/Yeowatzup (CC BY-SA 2.0)
Vielfältige Wüste bei Ounianga Kebir im Norden des Tschad

Vielfältige Wüste bei Ounianga Kebir im Norden des Tschad

Bild: Uni Köln, Stefan Kröpelin
Die Wüste Rub al Khali auf der Arabischen Halbinsel mit Sanddünen und helleren Schotterflächen.

Die Wüste Rub al Khali auf der Arabischen Halbinsel mit Sanddünen und helleren Schotterflächen.

Bild: Wikimedia Commons/Nepenthes (CC BY-NC-SA 3.0)
Dünen in der arabischen Rub al Khali.

Dünen in der arabischen Rub al Khali.

Bild: Wikimedia Commons/Nepenthes (CC BY-SA 3.0)
Ounianga Kebir im Norden des Tschad

Ounianga Kebir im Norden des Tschad

Bild: Uni Köln, Stefan Kröpelin
Endlos Sand in der Sahara.

Endlos Sand in der Sahara.

Bild: Wikimedia Commons/Jgremillot (CC BY-SA 3.0)
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Spielsand bei ca. 200facher Vergrößerung im Dunkelfeld. Ausschnitt ca: 700µm x 700µm

Bild: Wikimedia Commons/Jan Homann (CC BY-SA 3.0)

Blick auf die Syrische Wüste mit Beduinen im Vordergrund.

Bild: Wikimedia Commons/Yeowatzup (CC BY-SA 3.0)

Vielfältige Wüste bei Ounianga Kebir im Norden des Tschad

Bild: Uni Köln, Stefan Kröpelin (CC BY-SA 3.0)

Die Wüste Rub al Khali auf der Arabischen Halbinsel mit Sanddünen und helleren Schotterflächen.

Bild: Wikimedia Commons/Nepenthes (CC BY-SA 3.0)

Dünen in der arabischen Rub al Khali.

Bild: Wikimedia Commons/Nepenthes (CC BY-SA 3.0)

Ounianga Kebir im Norden des Tschad

Bild: Uni Köln, Stefan Kröpelin (CC BY-SA 3.0)

Endlos Sand in der Sahara.

Bild: Wikimedia Commons/Jgremillot (CC BY-SA 3.0)

Der sommerliche Engpass entsteht allerdings weniger, weil Deutschland zu geringe Vorkommen an Baumaterialien hätte. "Wir haben in Deutschland die Möglichkeit, fast überall Sand und Kies zu gewinnen, wir haben also nicht diese Probleme, die andere Länder haben, dafür gibt es andere Probleme", so Elsner. Viele Vorkommen stehen einfach nicht zur Verfügung, weil der Naturschutz oder eine konkurrierende Nutzung im Wege stehen, weil die Grundeigentümer andere Pläne haben, oder weil die Genehmigungsverfahren lange dauern. Die Engpässe sind in der Regel regional begrenzt, doch wegen des hohen Gewichts bei gleichzeitig relativ geringen Kosten lohnt sich der landesweite Transport selbst dann nicht, wenn in der Folge Baustellen stillstehen.

Wüstenstaaten importieren Bausande

Anderen Regionen dagegen bleibt nichts anderes übrig, als den Sand von weither heranzuschaffen. So lassen sich die reichen Golfscheichtümer den Sand für den Bau ihrer glitzernden Städte aus Australien kommen. Die unendlichen Sanddünen der Arabischen Wüste und der Sahara sind leider völlig ungeeignet für modernen Beton. Harald Elsner und seine Kollegen bei der BGR haben herausgefunden, woran das genau liegt.

"Wir konnten Sandproben aus verschiedenen Teilen der Sahara analysieren. Und es hat sich herausgestellt, dass nicht etwa der Wüstensand zu rund ist, wie man häufig sagte, sondern zu fein", so Elsner. Sand ist ein Gemenge aus unterschiedlich großen Körnern, die von staubfein bis knapp zwei Millimeter Durchmesser messen können. "In dem Wüstensand fehlt komplett der Grob- und der Mittelsand, wir haben es immer nur mit Feinstsand zu tun." Wenn die Größe der Sandkörner aber zu gering ist, kann der Sand seine Stabilisierungsfunktion im Beton nicht erfüllen.

Grob- und Mittelsande sind verschwunden

Wo der grobe und mittelfeine Sand der Sahara oder der Arabischen Wüste geblieben ist, ist freilich unbekannt. Die Proben, die vom Deutschen Sandmuseum geliefert wurden, stammten aus nahezu allen Sahara-Ländern und aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Doch möglicherweise ist dort Sand auch nicht gleich Sand. "Die Sahara besteht größtenteils nicht aus Sand, sondern es ist eine Stein- und Felswüste", so Harald Elsner. Möglicherweise gibt es tief im Inneren große Gebiete, in denen die gröbere Sandfraktion zu finden wäre.

Dessen Nutzung dürfte jedoch aufgrund der Transportkosten unattraktiv bleiben. Den Meeressand vor der Haustür können die Erbauer der arabischen Boomtowns allerdings auch nicht nutzen, denn er ist mit Meersalz "gewürzt". "Man würde diese Sande nicht einsetzen können, weil das Salz im Beton ausblüht, und dementsprechend Schäden hinterlässt", so Elsner. Das gilt auch für die Meeressande an den deutschen Küsten, weshalb diese nur für die Aufspülungen an den friesischen Inseln benutzt werden.

Genaue Prüfung der Vorkommen vor Ort lohnt

Eine brauchbare Sandprobe hatten Elsner und seine Kollegen allerdings doch in ihrer Kollektion. "Die Sande in Libyen haben sich als sehr gute herausgestellt, fast nur aus Quarz bestehend, darunter auch Grobsandmaterial." Wie umfangreich diese guten Sandvorkommen in dem nordafrikanischen Land sind, ist unbekannt und dürfte wegen der Unruhen seit der Arabischen Revolution von 2010 auch in Zukunft nicht erforscht werden. Doch das Beispiel zeigt, dass sich bei großen Bauvorhaben die genaue Analyse der Sandressourcen vor Ort lohnen könnte. "Wir gehen davon aus, dass die Kollegen in Dubai geguckt haben und sich dafür entschieden haben, ihren Sand weiter lieber für Wüsten Karawanen und Touren zu nutzen und lieber günstigen Betonsand aus Australien zu importieren", meint Rohstoffexperte Harald Elsner.