12. Nov. 2018
Blick auf das Gletschertor des Isunnguata-Sermia-Gletschers in Westgrönland.

Blick auf das Gletschertor des Isunnguata-Sermia-Gletschers in Westgrönland.

Per Zufall haben zwei junge dänische Geowissenschaftler auf Grönland entdeckt, dass Methan unter dem Eisschild der Insel hervorquillt. In einem kleinen Gletschertor am westlichen Rand der Eiskappe haben sie zum Teil stark erhöhte Gehalte des zweitwichtigsten Treibhausgases gemessen. Das Methan kommt offenbar mit Gletscherwasser unter dem Eisschild hervor. Ob das bisher unbekannte Phänomen weitverbreitet ist und daher Bedeutung für das Methanbudget der Erdatmosphäre hat, ist unbekannt.

"Wir waren für ein geochemisches Forschungsprojekt in Grönland und machten an einem kleinen Gletschertor Pause. Während wir einen Kaffee tranken, rief einer unserer Kollegen, wir sollten zum Gletschertor kommen, da wehe ein Wind von unter dem Eis her. Das kam uns schon komisch vor, und weil wir den tragbaren Methanmesser ohnehin dabei hatten, haben wir ihn in den Luftstrom gehalten. Das Gerät zeigte uns wesentlich höhere Methangehalte an als in der Umgebungsluft." So beschreibt Jesper Riis Christiansen von der Universität Kopenhagen eine Zufallsentdeckung aus dem Sommer 2016. Der Biogeochemiker und sein Kollege Christian Juncher Jørgensen, damals an der Universität Aarhus, stellen sie jetzt in "Scientific Reports" vor.  

Blick auf den Isunnguata-Sermia-Gletscher in Westgrönland.

Blick auf den Isunnguata-Sermia-Gletscher in Westgrönland.

Bild: Jesper Riis Christiansen
Die Messlanze des Methanmessgeräts im Gletschertor des Isunnguata-Sermia-Gletschers in Westgrönland.

Die Messlanze des Methanmessgeräts im Gletschertor des Isunnguata-Sermia-Gletschers in Westgrönland.

Bild: Jesper Riis Christiansen
Jesper Riis Christiansen und Christian Juncher Jørgensen auf dem Isunnguata-Sermia-Gletscher in Westgrönland.

Jesper Riis Christiansen und Christian Juncher Jørgensen auf dem Isunnguata-Sermia-Gletscher in Westgrönland.

Bild: Jesper Riis Christiansen
Schmelzwasser dringt aus dem Gletschertor des Isunnguata-Sermia-Gletschers.

Schmelzwasser dringt aus dem Gletschertor des Isunnguata-Sermia-Gletschers.

Bild: Jesper Riis Christiansen
Blick in das Gletschertor des Isunnguata-Sermia-Gletschers in Westgrönland.

Blick in das Gletschertor des Isunnguata-Sermia-Gletschers in Westgrönland.

Bild: Jesper Riis Christiansen
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Blick auf den Isunnguata-Sermia-Gletscher in Westgrönland.

Bild: Jesper Riis Christiansen

Die Messlanze des Methanmessgeräts im Gletschertor des Isunnguata-Sermia-Gletschers in Westgrönland.

Bild: Jesper Riis Christiansen

Jesper Riis Christiansen und Christian Juncher Jørgensen auf dem Isunnguata-Sermia-Gletscher in Westgrönland.

Bild: Jesper Riis Christiansen

Schmelzwasser dringt aus dem Gletschertor des Isunnguata-Sermia-Gletschers.

Bild: Jesper Riis Christiansen

Blick in das Gletschertor des Isunnguata-Sermia-Gletschers in Westgrönland.

Bild: Jesper Riis Christiansen

Zwischen dem 23. und dem 27. August maßen die beiden Geowissenschaftler in regelmäßigen Abständen die Methangehalte in dem Luftzug, der unter dem Gletscher hervorwehte und in der Umgebungsluft. Die Gehalte im "Gletscherwind" waren um das 2,5- bis 15fache erhöht. Hochgerechnet wären das ihren Angaben zufolge bis zu 134 Gramm Methan pro Quadratmeter und Stunde.  "Es ist eine neue Methanquelle. Die große Frage ist, ist sie wirklich bedeutend", meint Riis Christiansen. Diese Frage können die beiden Geowissenschaftler derzeit nicht beantworten, denn sie haben nur Messwerte von einer Stelle, dem Isunnguata-Sermia-Gletscher nahe dem internationalen Flughafen Kangerlussuaq. Überdies decken die Messungen nur begrenzte Zeiträume ab. "Wir haben in 2016 rund zehn Stunden lang gemessen", so Riis Christiansen. Weit reichende Schlussfolgerungen können daher nicht gezogen werden.

Immerhin waren die beiden Forscher in diesem Jahr mehrmals vor Ort, um die Messungen aus 2016 zu ergänzen. Im Juni und im August, also zu Beginn und zum Höhepunkt des grönländischen Sommers, waren sie jeweils zehn Tage am Gletscher, und konnten über sieben Tage hinweg die Gasgehalte kontinuierlich messen. "Sie bestätigten unsere Messungen von 2016 und die längeren Zeitreihen lieferten uns ein besseres Bild des Geschehens", so Riis Christiansen. Dennoch bleibt es bislang nur eine Momentaufnahme von einer Stelle des grönländischen Eisschildes.

Ungeklärt ist auch die Frage, woher das Methan genau stammt. Das Verhältnis von schwereren zu leichteren Varianten des Kohlenstoffs könnte zeigen, ob das Methan von Bakterien produziert wurde, die unter dem Eis aktiv sind, oder ob es auch einem geologischen Reservoir stammt. "Doch unsere bisherigen Analysen sind nicht eindeutig", erklärt Riis Christiansen. Mit den umfangreicheren Proben aus diesem Jahr wollen die beiden dänischen Forscher und eine Kollegin aus Belgien die Frage nach dem Ursprung des Methans noch einmal angehen.

Die Analyse der Proben, Auswertung der Daten und Zusammenstellung der vorläufigen Ergebnisse wird Riis Christiansen die nächste Zeit beschäftigen. "Wir brauchen eine bessere Vorstellung davon, was dort vorgeht", betont der Biogeochemiker. Nicht nur die eigentliche Methanquelle bleibt unklar, auch die Größe des Einzugsgebiets, das durch das Gletschertor entwässert wird, ist unbekannt. "Wir hoffen, das mit Hilfe von Glaziologen und Hydrologen klären zu können", so Riis Christiansen. Neue Forschungsreisen zum Isunnguata-Sermia-Gletscher stehen dagegen vorerst nicht auf dem Programm.