13. Dez. 2018

Karte des 7,5-Bebens vom 28. September 2018.

Am frühen Abend des 28. Septembers erschütterte ein Erdbeben der Stärke 7,5 die indonesische Insel Sulawesi. Das Epizentrum des Bebens lag an Land, nördlich des besonders bei Tauchtouristen beliebten Palu. An manchen Stellen der 400.000 Einwohner zählenden Stadt wurde bei dem Erdstoß der Grund um sieben Meter versetzt. Womit keiner rechnete: Keine drei Minuten nach dem Beben rollte ein Tsunami durch die enge Bucht, an der Palu liegt. Am Ende dieses katastrophalen Abends waren mehr als 2100 Menschen tot.

Wie allerdings dieses Erdbeben einen Tsunami auslösen kann, ist den Geowissenschaftlern ein Rätsel. Sein Epizentrum lag an Land, ausgelöst wurde es durch eine ruckartige Bewegung zweier aneinander vorbeikriechender Krustenplatten. Auf der Herbsttagung der Amerikanischen Geophysikalischen Union in Washington wurde daher über die Zusammenhänge diskutiert. Die Aufnahmen von Überwachungskameras zeigen deutlich, dass am Strand von Palu niemand mit der Flutwelle rechnete. Die Menschen schauten nicht Richtung Meer und bemerkten die Wassermassen daher erst, als es zu spät war. Ein Warnsystem hat Palu nicht, und es wäre auch nicht schnell genug gewesen

Balaroa, ein Stadtteil von Palu nach dem Erdbeben vom 28.09.18.

Balaroa nach dem Beben.

Bild: Makassar Regional Disaster Mitigation Agency (CC0)
Intensitätskarte des Erdbebens von Palu vom 28.09.18.

Intensitätskarte des Erdbebens von Palu vom 28.09.18.

Bild: USGS (CC0)
Erdbeben und Nachbeben vom 28.09.18 in Palu.

Erdbeben und Nachbeben vom 28.09.18 in Palu.

Bild: LIPI (CC0)
1 / 3

Balaroa nach dem Beben.

Bild: Makassar Regional Disaster Mitigation Agency (CC0)

Intensitätskarte des Erdbebens von Palu vom 28.09.18.

Bild: USGS (CC0)

Erdbeben und Nachbeben vom 28.09.18 in Palu.

Bild: LIPI (CC0)

"Grundsätzlich brauchen Warnzentren etwa vier bis fünf Minuten, um zu wissen, dass ein Tsunami entstanden ist und eine Warnung abzusetzen. Da war in Palu bereits alles zu spät", berichtete Hermann Fritz, Geologe am Georgia Institute of Technology in Washington. Und für die Überlebenden unter denjenigen, die sich bei dem Erdbeben aus den schwankenden Häusern auf den Strand gerettet hatten, war es auch kein Trost, dass die beiden Flutwellen weder besonders hoch noch besonders ausdauernd waren. Schon in der zweiten Straßenreihe hinter dem Strand brach ihre Kraft, so dass sich die Zerstörungen durch das Meer auf den Strand und die erste Häuserreihe beschränkte.

"Es war ein typischer lokaler Tsunami", so Fritz, und selbst Experten wie er sind überrascht, dass er überhaupt entstand. Denn durch die horizontale Bewegung der beiden Krustenplatten gegeneinander fehlt die notwendige vertikale Bewegung, die das Wasser erst in Bewegung setzt. Inzwischen geben die vorläufigen Ergebnisse der Meeresbodenkartierung Hinweise auf das Geschehen. Udrekh Al Hanif von der Indonesian Agency for Assessment and Application of Technology: "Wenn wir die bathymetrischen Daten vor und nach dem Beben übereinanderlegen, sehen wir, dass sich fast der gesamte Meeresboden in der Bucht abgesenkt hat. Wir wissen auch, dass er bei dem Beben scharf nach Norden versetzt worden ist."

Dazu kommt offenbar, dass die Beben in der Bucht den Untergrund verflüssigten und so instabil machten, denn das Beben allein kann nicht für die Höhe der Wellen sorgen. "Es muss noch zusätzliche Bewegungen gegeben haben wie Trübeströme oder untermeerische Erdrutsche", so Hermann Fritz. Einen großen Erdrutsch hat das Forschungsteam bei den bathymetrischen Untersuchungen allerdings nicht gefunden. "Hätte es den gegeben", sagt der Tsunamiexperte von Georgia Tech, "wäre der Tsunami an einer Stelle stärker gewesen als an den anderen, aber das Wasser ist überall in der Bucht recht ähnlich angestiegen." Offenbar hat es daher an mehreren Stellen der Bucht kleinere Rutschungen gegeben, deren Wirkung sich im engen Wasserkörper vervielfachte.

Die Fachleute in Washington mahnten daher, in den engen Buchten Sulawesis mit erhöhtem Tsunamirisiko zu rechnen. Finn Løvholt vom Norwegischen Geotechnischen Institut: "Es ist zwar ein sehr ungewöhnliches Ereignis, aber wie es aussieht, wird es wieder passieren. Es war nicht der erste Tsunami, der Palu getroffen hat. In den 1920er und 1960er Jahren haben ähnliche Ereignisse viele Menschenleben gefordert." Løvholt kennt sich aus, denn in Norwegen mit seinen schmalen und tiefen Fjorden drohen vergleichbare Risiken wie in Sulawesi. Zwar ist hier das Risiko von Plattenverschiebungen gering, aber der Auftrieb Skandinaviens seit der jüngsten Eiszeit kann hier verblüffend starke Beben auslösen.

Aufgrund der räumlichen Enge macht es weder in Norwegen noch in Sulawesi Sinn, ausgefeilte geophysikalische Warnsysteme aufzubauen. Die in Washington versammelten Expertinnen und Experten rieten den Behörden in Indonesien stattdessen, mit der Bevölkerung angemessene Verhaltensweisen bei Erdbeben einzuüben und darüber hinaus die lokale Überlieferung für das Risikomanagement zu nutzen.