18. Jun. 2019
Josefina Hamutoko, Universität von Namibia, und Matthias Beyer, BGR, bei der Bodenprobenahme in Ohangwena.

Josefina Hamutoko, Universität von Namibia, und Matthias Beyer, BGR, bei der Bodenprobenahme in Ohangwena.

Namibia ist der trockenste Staat im südlichen Afrika. Gerade wieder ist die Regenzeit besonders schlecht ausgefallen, im Land herrscht die schlimmste Dürre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Die derzeit dominierenden Wasserquellen für Mensch und Tier sind neben Wasserlöchern, die sich mit jeder Regenzeit neu bilden, Flüsse im Norden und Süden, die man zu künstlichen Seen aufstaut. Vor knapp zehn Jahren wurde allerdings mit deutscher Hilfe im Norden des Landes, in dem inzwischen knapp die Hälfte der Bevölkerung lebt, ein ausgedehnter Grundwasserleiter gefunden, der mittelfristig die Wasserversorgung stabilisieren kann. Auf der 10. Water Research Horizon Conference in Hannover ist in dieser Woche die nachhaltige Nutzung derartiger Grundwasservorkommen wie das neu gefundene Ohangwena-2-Vorkommen ein Thema.

Der Norden Namibias wurde erneut von einer Dürre getroffen. Die Regenzeit 2018/19, die im April zu Ende ging, ist weitgehend ausgefallen, so dass der namibische Präsident Hage Geingob Anfang Mai den nationalen Notstand verhängte. Schon seit 2013 bleiben die Regenfälle in Folge unter dem langjährigen Durchschnitt, bereits drei Mal hat die Regierung deshalb den Notstand ausgerufen. Das Landwirtschaftsministerium berichtete, dass in diesem Jahr wegen der Trockenheit die Nahrungsmittelversorgung im Norden des Landes, im Cuvelai-Becken und im Einzugsgebiet des Kubango, gefährdet sei. Mehr als 500.000 Menschen, rund ein Fünftel der namibischen Bevölkerung, seien betroffen.

Jedes Jahr trocknen im Norden Namibias  im Lauf der Trockenzeit die Wasserlöcher ein, die sich in der Regenzeit bildeten.

Jedes Jahr trocknen im Norden Namibias im Lauf der Trockenzeit die Wasserlöcher ein, die sich in der Regenzeit gebildet haben.

Bild: BGR/Thomas Himmelsbach
Josefina Hamutoko, Universität Namibia, Matthias Beyer und Marcel Gaj, BGR, nehmen Bodenproben in Ohangwena.

Josefina Hamutoko, Universität Namibia, Matthias Beyer und Marcel Gaj, BGR, nehmen Bodenproben in Ohangwena.

Bild: BGR/Nils Wölki
Hat es viel geregnet, können die Bauern im Norden Namibias sogar Wassermelonen ernten.

Hat es viel geregnet, können die Bauern im Norden Namibias sogar Wassermelonen ernten.

Bild: BGR/Thomas Himmelsbach
Bei Dürren wie in diesem Jahr verlieren die Bauern im Norden Namibias ihr Vieh in großer Zahl.

Bei Dürren wie in diesem Jahr verlieren die Bauern im Norden Namibias ihr Vieh in großer Zahl.

Bild: BGR/Thomas Himmelsbach
Im Norden Namibias herrscht derzeit die schwerste Dürre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Im Norden Namibias herrscht derzeit die schwerste Dürre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Bild: BGR/Thomas Himmelsbach
Im Februar 2008 waren die Regenfälle so ergiebig, dass Felder und Siedlungen überschwemmt wurden.

Im Februar 2008 waren die Regenfälle so ergiebig, dass Felder und Siedlungen überschwemmt wurden.

Bild: BGR/Thomas Himmelsbach
Per Zufall gelang BGR-Geologen bei einer Bohrung für eine Schule die Entdeckung des Ohangwena-2-Grundwasserleiters.

Per Zufall gelang BGR-Geologen bei einer Bohrung für eine Schule die Entdeckung des Ohangwena-2-Grundwasserleiters.

Bild: BGR/Thomas Himmelsbach
Karte des Cuvelai-Beckens im Norden Namibias und Süden Angolas.

Karte des Cuvelai-Beckens im Norden Namibias und Süden Angolas.

Bild: BGR/SASSCAL
Ein Feldteam von BGR und Universität von Namibia kommt zur Bodenprobennahme auf eine Farm im Norden Namibias.

Ein Feldteam von BGR und Universität von Namibia kommt zur Bodenprobennahme auf eine Farm im Norden Namibias.

Bild: BGR/Nils Wölki
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Jedes Jahr trocknen im Norden Namibias im Lauf der Trockenzeit die Wasserlöcher ein, die sich in der Regenzeit gebildet haben.

Bild: BGR/Thomas Himmelsbach

Josefina Hamutoko, Universität Namibia, Matthias Beyer und Marcel Gaj, BGR, nehmen Bodenproben in Ohangwena.

Bild: BGR/Nils Wölki

Hat es viel geregnet, können die Bauern im Norden Namibias sogar Wassermelonen ernten.

Bild: BGR/Thomas Himmelsbach

Bei Dürren wie in diesem Jahr verlieren die Bauern im Norden Namibias ihr Vieh in großer Zahl.

Bild: BGR/Thomas Himmelsbach

Im Norden Namibias herrscht derzeit die schwerste Dürre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Bild: BGR/Thomas Himmelsbach

Im Februar 2008 waren die Regenfälle so ergiebig, dass Felder und Siedlungen überschwemmt wurden.

Bild: BGR/Thomas Himmelsbach

Per Zufall gelang BGR-Geologen bei einer Bohrung für eine Schule die Entdeckung des Ohangwena-2-Grundwasserleiters.

Bild: BGR/Thomas Himmelsbach

Karte des Cuvelai-Beckens im Norden Namibias und Süden Angolas.

Bild: BGR/SASSCAL

Ein Feldteam von BGR und Universität von Namibia kommt zur Bodenprobennahme auf eine Farm im Norden Namibias.

Bild: BGR/Nils Wölki

Die beiden Regionen sind für die Nahrungsmittelproduktion des Landes von großer Bedeutung, denn sie erhalten in den Regenzeiten vergleichsweise große Wassermengen und können ihren Wasserbedarf darüber hinaus durch die beiden Flüsse Kubango und Kunene decken. Ein Stausee des Kunene auf angolanischem Gebiet versorgt zum Beispiel über ein Kanal- und Rohrleitungsnetz weite Teile des Cuvelai-Beckens. Wer daran nicht angeschlossen ist, bleibt auf die Wasserlöcher angewiesen, die während der Regenzeit entstehen und nach und nach eintrocknen. Mit fortschreitender Trockenzeit müssen diese Menschen dann Brunnen graben, die die das oberflächennahe Grundwasser anzapfen.

Klimawandel erschwert die Wasserversorgung

Der Klimawandel erschwert allerdings diese Arten der Versorgung mittlerweile. Die Extreme im namibischen Klima – Dürre und gelegentlicher Starkregen – haben sich derart verstärkt, dass das Wetter unzuverlässiger wird. Der gegenwärtige Notstand direkt am Ende der Regenzeit ist ein Beispiel dafür: Wo Ende Mai eigentlich grüne Savannen und Hirsefelder sein sollten, wächst kein Halm. Gleichzeitig steigt der Bevölkerungsdruck rasant. "Mittlerweile haben wir ein sehr starkes Bevölkerungswachstum durch hohe Geburtenrate und Zuzug, das bei circa 3,5 bis vier Prozent im Jahr liegt, und dafür reicht die derzeitige Wasserversorgung im Norden Namibias nicht mehr aus", berichtet Professor Thomas Himmelsbach, Leiter der Abteilung Grundwasser und Boden bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover, der seit Jahren die Grundwasservorkommen in Südafrika erforscht.

Als Forschungs- und Beratungseinrichtung der Bundesregierung ist die BGR auf dem Geosektor auch in der technischen Zusammenarbeit mit Entwicklungsländern tätig. "Ursprünglich hat die BGR hier in Namibia sich im Wesentlichen um Rohstoffe gekümmert", erzählt der Hydrogeologe, "aber angesichts von Klimawandel, Bevölkerungswachstum und Wasserknappheit erlangt mittlerweile Wasser einen Status, der durchaus mit anderen Rohstoffen verglichen werden kann."

Schatzfund 200 Meter unterhalb der Oberfläche

So gesehen entdeckten die BGR-Geologen vor Jahren einen regelrechten Schatz: Mehr als 200 Meter unterhalb der staubigen, ausgetrockneten Oberfläche des Cuvelai-Beckens fanden sie vor etwa zehn Jahren einen gewaltigen Grundwasserleiter: rund 300 mal 400 Kilometer ausgedehnt und mehr als 200 Meter mächtig. Genug Wasser, um die Menschen und Tiere der Region nachhaltig zu versorgen. "Es war eigentlich ein Zufallsfund, wenn man ganz ehrlich ist", erinnert sich Himmelsbach. Man habe eine Erkundungsbohrung abgeteuft und, wie üblich, einen flachen, aber versalzten Grundwasserleiter getroffen. "Und dann hat der betreuende Geologe gesagt: Wir bohren jetzt mal ein bisschen tiefer", sagt Himmelsbach und der Bohrer traf auf eine Tonschicht, die das salzige Wasser nach unten absperrte. "Und dann", so Himmelsbach, "dachte man: Wir bohren nochmal tiefer. Und plötzlich waren sie unten in dem Grundwasserleiter mit hervorragender Wasserqualität."

Mittlerweile haben die Hydrogeologen auch weiter östlich im Gebiet des namibischen Caprivi-Zipfels zwischen Sambia und Botswana Hinweise auf vergleichbare tiefe Grundwasservorkommen gefunden. Erste Hinweise ergaben sich durch eine Hubschrauber-Befliegung mit einer aerogeophysikalischen Sonde. Die Bestätigung dieser Erkenntnisse durch weitere und detailliertere geophysikalische Untersuchungen am Boden und entsprechende Erkundungsbohrungen steht allerdings noch aus.

Nachhaltige Nutzung einer strategischen Ressource

Die Zusammenarbeit der BGR mit Namibia drehte sich seit seiner Entdeckung erst einmal um diesen Grundwasserleiter Ohangwena-2, der nach der gleichnamigen Region an der Grenze zu Angola benannt ist. Er soll einen Sicherheitspuffer bilden, wenn die derzeitige Wasserversorgung durch den Kunene-Stausee auf angolanischem Gebiet nicht mehr ausreicht. "Der namibische Präsident selbst gesagt hat, dass das eine strategische Ressource sei, die nicht vergeudet werden dürfe", so Himmelsbach. Derzeit liegt der Schwerpunkt der BGR-Arbeiten vor allem auf der geowissenschaftlichen und räumlichen Erkundung des Vorkommens, die zusammen mit der Universität von Namibia und staatlichen Behörden vorangetrieben wird. Außerdem entwerfen BGR-Mitarbeiter Szenarien für die nachhaltige Erschließung des Vorkommens.

Seine Ausdehnung wurde mit geophysikalischen Methoden am Boden bestimmt. An Hand von neuen Erkundungsbohrungen haben die BGR und zuletzt die namibische Regierung die Wasserqualität des Vorkommens geprüft. Auch wenn die Erkundungen bislang an der Grenze zu Angola Halt machten, ist klar, dass sich das Vorkommen bis tief in angolanisches Gebiet hinein erstreckt, genauso wie auch das Cuvelai-Becken beiderseits der angolanisch-namibischen Grenze liegt. "Deswegen sind wir jetzt auch in Gesprächen mit Angola, damit wir die die Erkundung des Grundwassers dort so fortsetzen können, wie wir es in Namibia gemacht haben", erklärt Thomas Himmelsbach.

Grenzüberschreitende Nutzung des Grundwasservorkommens angestrebt

An der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit führt eigentlich kein Weg vorbei, denn die genaue Kenntnis des gesamten Systems ist für seine nachhaltige Nutzung von entscheidender Bedeutung. "Das Aufregende an der Sache ist ja, dass es kein fossiler Grundwasserleiter ist, sondern dass er sich erneuert. Und wir haben auch mittlerweile das Neubildungsgebiet entdeckt, das ganz klar im Süden von Angola liegt", so Himmelsbach. Kooperation zwischen den Nachbarstaaten ist im Cuvelai-Becken überdies nichts Neues. Seit 2014 gibt es die CuveCom, eine binationale Kommission, die sich um das Management der Oberflächengewässer im Einzugsgebiet kümmert. Sie könnte etwa auch das grenzüberschreitende Management des unterirdischen Wasservorkommens übernehmen. Mittlerweile gibt es auch erste Modellrechnungen, wie schnell sich das Vorkommen regeneriert, doch um es genau zu wissen, müssen die BGR-Wissenschaftler ins angolanische Neubildungsgebiet. "Dann kann man Bewirtschaftungspläne aufstellen", sagt der Hydrogeologe.

Thomas Himmelsbach ist zuversichtlich, dass die nachhaltige Nutzung im Cuvelai-Becken gelingt. Schließlich leistet sich Namibia die aufwendigste Wasserversorgung der ganzen Region. Der staatliche Wasserversorger betreibt bereits seit langem Verteilnetze in den meisten Regionen. Im Cuvelai-Becken verteilen Kanäle und Pipelines das Wasser aus dem Kunene-Stausee und immer mehr Siedlungen werden daran angeschlossen. In dieses Netz wird das Wasser aus dem Ohangwena-2-Leiter eingespeist, Bohrungen bis in 200 oder 300 Meter Tiefe rechnen sich für dezentrale Dorfbrunnen einfach nicht. Wegen der anhaltenden Trockenheit, die sich in diesem Jahr zu einer schweren Dürre zugespitzt hat, hat die namibische Regierung die Bohrungen in den tiefen Grundwasserleiter forciert. Das Ziel einer nachhaltigen Nutzung ist gleichwohl nicht aufgegeben.

Region wird auch in Zukunft wachsen

"Das Wasser sollte in erster Linie für Trinkwasser verwendet werden", skizziert Himmelsbach die Einstellung der namibischen Regierung. Die Experten aus Deutschland wünschen sich, dass die umsichtige Verteilung des Wassers ergänzt wird durch bewussten Umgang mit dem Abwasser. "Da muss man weiterdenken", so Himmelsbach, "dass man das durchaus wieder insoweit aufbereitet, dass dies dann in der Landwirtschaft genutzt werden kann." Auch solche Ansätze zählen zum geplanten nachhaltigen Umgang mit dem Wasserschatz im Untergrund.

Dass die Region im Norden Namibias weiterwachsen wird, dass die Bevölkerung zunehmen und die Landwirtschaft sich ausdehnen wird, steht dabei außer Zweifel. Schon heute wohnt die Hälfte der Namibier im Cuvelai-Becken und im Kubango-Gebiet, deren Böden zu den besten im weitgehend wüstenhaften Land zählen. "Machen wir uns nichts vor", so Himmelsbach, "Es wird auch eines Tages am Kubango auch auf Bewässerungslandwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion inklusive Viehzucht hinauslaufen." Anders könne das Land mit seiner schnell wachsenden Bevölkerung seinen Nahrungsbedarf nicht decken. Allerdings sollte, so der Rat der BGR-Experten, die Landwirtschaft angepasst entwickelt werden. Thomas Himmelsbach: "Wir fordern immer: Bitte fangt keine Tomatenzucht in Nord-Namibia an oder pflanzt bitte keine Ananas. Das wäre der falsche Weg."